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News zum Arzthaftungs- und Verkehrsrecht

Wer nach einem Verkehrsunfall oder von einem Arzt/ Krankenhaus schwer verletzt worden ist, braucht einen hochspezialisierten Rechtsanwalt. Deshalb ist es sinnvoll, einen erfahrenen und bundesweit tätigen Rechtsanwalt zu beauftragen. Wir dürfen vor allen Gerichten Deutschlands Prozesse führen. Deshalb und aufgrund der modernen Kommunikationstechnik spielt Entfernung keine Rolle mehr.

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„Unsere News zum Personenschadensrecht sollen Ihnen einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen unseres Spezialgebiets geben. Dabei kommentieren wir vor allem die aktuelle Rechtsprechung in einer Weise, dass Sie sich eine Meinung von den Zusammenhängen und der Bedeutung der besprochenen Gerichtsurteile bilden können.„
Rechtsanwalt Dr. Lovis Wambach, Fachanwalt für Medizinrecht

100.000,- Euro für Dauerschäden und Narbenschmerzen nach einem groben Befunderhebungsfehler (OLG Hamm, Urteil vom 04.12.15 – I-26 U 33/14)

Die Patientin fiel auf ihr Gesäß. Sie ist daraufhin gegen den Schmerz auf längere Zeit lediglich mit Spritzen behandelt worden. Ein knöcherner Defekt des Beckens ist mangels Röntgenbild zunächst nicht festgestellt worden. Schließlich musste die Patientin zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus, in dem sie sich einen Krankenhauskeim zuzog; ein Multiorganversagen folgte, das zu gesundheitlichen Dauerproblemen (insbesondere Schwäche und Bewegungseinschränkungen) und Narbenschmerzen führte. Die Bekämpfung der Infektion nahm acht Monate in stationärer Behandlung in Anspruch.
Bei einer Behandlung gemäß den Fachärztlichen Standards wäre der Beckenbruch alsbald folgenlos abgeheilt.
Das Gericht sah hier einen Verstoß gegen grundlegende Befundungsregeln. Der Hauptpunkt ist, dass der Arzt dem naheliegenden Gedanken an eine Fraktur nicht nachgegangen ist. Wenn ein Arzt grundlegende, den absoluten Standard bildende und sich deshalb für den Facharzt geradezu aufdrängende Befundungsmöglichkeiten nicht ausschöpft, weil er sich frühzeitig auf eine vermeintliche Ursache festlegt, erscheint diese Vorgehensweise nicht mehr verständlich. Sie darf dem Behandler schlechterdings nicht unterlaufen, das heißt: das Unterlassen der bildgebenden Befundung (Röntgenbild) ist ein grober Befunderhebungsfehler, der zugunsten des Patienten zur Umkehr der Beweislast führt. Der Patient muss dann nicht mehr den Zusammenhang seiner Gesundheitsschäden mit der fehlerhaften Behandlung beweisen, sondern der Arzt muss vielmehr beweisen, dass gerade keine Kausalität vorliegt. Für den Patienten ein immenser Vorteil.

Das Gericht sprach dem Opfer dieses unverständlichen Ärztepfuschs 100.000,- Euro für die erlittenen Lebensbeeinträchtigungen zu.

„Der Betrag ist moderat, besonders dann, wenn man die acht Monate stationäre Behandlung, die Dauerschäden und Narbenschmerzen bedenkt. Der Schmerzensgeldbetrag ist in der Berufung nicht einmal von den beklagten Ärzten angegriffen worden“, sagt Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht Rouven Walter, „vielleicht wäre mehr drin gewesen“.

Das vollständige Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 04.12.2015 können Sie hier als PDF (204 KB) herunterladen:

OLG Hamm, Urteil vom 04.12.15 – I-26 U 33/14